Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus Jülich



Zum Jülicher Fastnachtsbrauch gehört seit über 300 Jahren
die Historische Gesellschaft Lazarus Strohmanus Jülich.
Das Symbol der Gesellschaft ist eine Strohpuppe.
Sie wird am Jahresende von den Mitgliedern gefertigt.
Bekleidet ist sie mit einem traditionellen blauen Kittel und weißer Hose,
wie sie auch von den Mitgliedern des Vereins am Veilchendienstag
zum großen Umzug getragen wird.


Am Sonntag nach Dreikönig wird der Lazarus in der Öffentlichkeit getauft. Hier bekommt er, ein Taufpate steht ihm dabei zur Seite, einen lateinischen Namen. Sonntags vor Fastnacht hält die Gesellschaft zusammen mit ihren Ehrenmitgliedern die Jahreshauptversammlung ab. Dabei wird der Hexenturm-Orden
einer Person aus den Reihen der Ehrenmitglieder verliehen, die sich um die Belange der Jülicher Bürger und der Stadt verdient gemacht hat. In der Regel die Person, die dem Lazarus schon bei seiner Taufe als Pate zur Seite stand.

Zum uralten Brauch gehört der Umzug am Veilchendienstag durch die Herzogstadt Jülich. Mit dem Aufwerfen der Lazaruspuppe mit einem Sprungtuch, kurz precken genannt, und dem Ausrufen von Spottversen, muss der Lazarus für die Schuld und Sünden der Bürger büßen.

Zum Ende wird er dann mit vorgespielter Trauer und Wehgeschrei in der Nacht von Veilchendienstag zu Aschermittwoch von einer Brücke der Rur übergeben und damit das Ende der Fastnacht eingeleitet. Unter Beteiligung der Bürger beendet die Gesellschaft mit einem Höhenfeuerwerk diesen traditionsreichen Tag.


Lazarus Strohmanus - Namensdeutung
Lazarus bezeichnet eine biblische Figur mit einer scheinbaren Auferstehung durch Jesus.
(vgl. wikipedia)
Strohmanus ist vermutlich eine Abwandlung von Strohmann und bezeichnet eine vorgeschobene Person für jemanden, der nicht selber in Erscheinung treten will.
(vgl. wikipedia)

Eine Strohpuppe hat also die Funktion, die Schuld anderer zu übernehmen, so auch der Lazarus Strohmanus. Zum Ende der Karnevalstage geht es ihm an den Kragen. Er muss büßen, für alles was schief gegangen ist und beendet seine Existenz damit, dass er von einer Brücke in die Rur geworfen wird, wobei man sich dabei schon auf die Wiederauferstehung im nächsten Jahr freut.

Beispiele für ähnliche Brauchtumspflege mit anderen Namen für die Strohpuppe sind u.a. Hoppeditz (Düsseldorf), Nubbel (Köln), Rurmanes (Merken/Düren), oder der Zachäus auf manchen Schützenfesten im Rheinland/Erftkreis. Die Strohpuppe trägt dabei immer die Schuld für die Sünden der Anderen. Das Todesurteil variiert in Ersäufen, Verbrennen, Erhängen usw.

Ursprung aller dieser Rituale mit einem Sündenbock, im erweiterten Sinne also ein Strohmann, der die Sünden und Missetaten der Bürger auf sich nehmen musste, geht bis ins Alte Testament zurück. Damals wurden einem Ziegenbock die Sünden des Volkes aufgetragen und dann in die Wüste gejagt.
Die Redewendung - jemanden in die Wüste schicken - beruht noch darauf.